prov. ReiserouteReisedokumentation 8. August 2013: Unsere 11. Velotour steht kurz vor der Umsetzung. Dieses Jahr möchten wir von Bäretswil mit dem Velo nach St. Petersburg radeln. Für die Strecke von ca. 3200 km und 30'000 hm, haben wir 4 Wochen Ferien eingeplant. Starten werden wir am Samstag, 17. August 2013 - mal sehen wie weit wir kommen.
Zugegeben, wir stecken schon eine ganze Weile in unseren Reisevorbereitungen, wir haben schon etliche Infos über die bevorstehende Tour eingeholt, uns über den möglichen Routenverlauf schlau gemacht und das russische Reisevisa beantragt und auch erhalten. Nun stehen noch 9 Tage vor der Tür und unsere Tour in Richtung Norden kann beginnen. Was wir wohl alles erleben werden? Sind unserer Fahrräder gut genug ausgerüstet? Halten sie den Schlaglöchern stand? Was für Kleidung soll ins Gepäck? Sicherlich helfen uns da die Erfahrungen unserer letzten Radreise nach Schottland. Da gab es Regentage bei 6°C. Klar ist, dass wir in etwa das gleiche Gepäck mitnehmen werden. Wir beide freuen uns schon riesieg auf die  bevorstehende Reise nach Russland.

AuslageNun ja, nicht gerade einfach diese Aufgabe. Welche Materialien trocknen am schnellsten? Welche Farben lassen sich gut kombinieren? Mit dem Zwiebelprinzip sind wir auf der guten Seite.

 

Morgenstimmung hinter Hittnau28% - Da wird selbst das Schieben zur QualRichtung Alpsee, das Ziel vor AugenUm 0630 Uhr starteten wir unser Abenteuer in Richtung St. Petersburg. Bis Wil kannten wir die Strecke bereits. Von dort an betraten wir unbekanntes Terrain. Entlang dem Thurradweg durch den Kt. Thurgau nach Arbon an den Bodensee, was für ein Highlight. Endlich gabs hier einen Kaffee und etwas zwischen die Kiemen. Bis nach Bregenz begegneten wir einer Tauschenschaft von Velofahrern.  Es war geradezu der ideale Tag um zu Radeln. Von da an ging es in die Berge. Für Jok stellte das gar keine Prolbeme dar, ich hatte da eher etwas zu kämpfen. Die ländliche Gegend mit den vielen Hügeln - ähnlich Appenzell - war beindruckend, sowieso die 28% Steigung. Habe an meinem Velo ein Schweizerfähnli montiert, das gibt auch die eine oder andere positive und motivierende Bemerkung. Also nach gut 172 km und 1400 hm sind wir nun in Rettenberg gelandet. Jok war schon mal hier in der Brauereinhochburg des Allgäus (Zötlerbier und Engelbräu). Wir haben eine Unterkunft im Braugasthof Adler Post bezogen und können morgen ausschlafen, Frühstück gibts hier erst um 0800h.  Tagesbilanz: Alles zum Besten, wir sind auf Kurs!

Verfahren auf der Königsroute?MTB-Strecke mit unseren "Race-Packeseln"Alpwege, Weidegatter und tierisch ZuschauerVom Allgäu durch das Bayernland. Was für ein Tag. Das Wetter war den ganzen Tag auf unserer Seite. Auf und ab ging es durch das hügelige Alpenland des Allgäus und Bayern. Nicht immer haben wir die ideale Fahrroute gefunden - wo zum Teufel führt uns nur die Bachtelstrasse hin? Und ja, heute hätten wir unser Tourenrad gerne mit einem Mountainbike getauscht. All zu oft führte uns der Weg über holprige Kiesstrassen - auch Schiebepassagen waren dabei. Aber für alle Daheimgebliebenen, der Radweg Bodensee-Königssee ist ein Traum. Schöne Bauernhäuser, massenfaft Kühe, Stallgeruch, Seen, Auen, Weiden und, und, und...was wollen wir noch mehr. Füssen, Schloss Schwangau als Kulisse, Klöster, freundliche Leute die uns nach unserer Reiseroute fragen - der Tag war einfach genial. Tja, auch wenn wir heute ziemlich lange auf unser Mittagessen warten mussten, und am Morgen erst um 0830h gestartet sind, haben wir doch stattliche 140 km und wieder 1300 hm hinter uns gelegt. Leider hat der Wetterbericht für morgen viel Regen angesagt. Wir werden unsere Goretexkleider auf ihre Zuverlässligkeit testen. 

Fazit des Tages: Es kommt immer besser......

 

Pfützen sind überhaupt nicht holprig.Regen, Regen, Regen... auch die Schwäne geniessen es.Nach dem Elend: Ein Dunkles... hmmm!Wo sind nur die Regenhosen von Jok? Ich habe sie zuhause noch gesehen, aber mitgekommen sind sie nicht. Also kaufen wir in Bad Tölz ein paar Neue. Die Altstadt, wie ich sie aus der Serie ¨der Bulle von Tölz¨ kenne, sieht wirklich so  aus. Alles eingekauft und für den Tag gerüstet geht die Fahrt über Stock und Stein los. Also wirklich, auch heute hätten wir unser Rad gerne gegen unser MTB getauscht. Ca. 80% der Strecke waren heute Wald-, Feld-, Wiesenwege und Schotter. Kein Wunder haben wir nur 128 km und 1280 hm hinter uns gebracht. Glück hatten wir bis am Nachmittag mit dem Wetter, nur wenig Niesel. Das Mitttagessen in Rosenheim in einer Metzgerei am Stehtisch war hammer. Danach galt das Motto - Regenjacke an, Regenjacke aus. Da unsere Schuhe vom Dauerregen eh schon nass waren, verzichteten wir auf das Anziehen der Regenhose und der Füsslinge - kalt war es ja nicht. Egal, der Regen konnte uns nichts mehr anhaben. Nur den Fahrrädern verlangte er einiges an Belastbarkeit ab. Das Getriebe liebt das Fahren durch die sand-kiesigen und nassen Pfützen gar nicht. Radler waren heute nicht sehr viele anzutreffen. Einizig die Schwäne und Enten auf dem Inn trotzten dem nassen Wetter. Und noch was, wer behauptet der Weg entlang dem Inn hat keine Steigungen, der irrt sich aber ganz gewaltig. 

Frage: Welchen Vorteil hat Regenwetter gegeüber Sonnenschein? Antwort: Regentropfen brennen weit weniger in den Augen als Schweiss.

Fazit des Tages: Mountainbiken lässt sich auch im Flachland und dazu etwas Jauchengeruch - alles typisch bayrisch!

 

Morgenstimmung am InnGesegnete Reise - Geburtshaus Papst Benedikt RatzingerErinnerungen an das Inn-Hochwasser 2013 vor PassauDank Frühstück ab 0630h starteten wir heute früh zu unserer Tour in Richtung Passau. Morgenstund hat Gold im Mund, beim wahrsten Worte. Die Wälder, welche wir durchquerten, waren märchenhaft. Die Strecke führte uns oft dem Inn entlang, aber auch wieder durch kleine Weiler und Dörfer. Grösstenteils war der Wegverlauf heute ohne grosse Steigungen zu bewältigen und der Rückenwind verlieh uns Flügel. Gar himmlisch wurde es dann in Marktl, dem Geburtsort von Papst Benedikt XVI - unsere Reise von nun an also mit Gottes Segen? Die Kilomenter flogen heute nur so dahin, aber eben, sie müssen dennoch erradelt werden. Wer schon solche Touren unternommen hat, der kennt das. Beeindruckend waren die Streckenteile, an denen man die Flut vom Mai 2013 noch gut erahnen konnte. So lag der Radweg damals metertief im Schlamm. Das alles wurde zwischenzeitlich wieder frei gebaggert. Auch in Passau sind noch viele Läden wegen des Hochwassers im Umbau und daher geschlossen. Das an sich schöne Städtchen erschien uns aber dennoch etwas zu touristisch, weshalb wir nonstop in den Böhmischen Wald weiter geradelt sind. Eine nette Unterkunft haben wir hier im Luftkurort Haunzenberg im Bayrischen Wald gefunden. Leistung  heute - 145 km  und 700 hm.

Fazit des Tages: Rückenwind ist definitiv ein Highlight....

Kurzzeitig schön eben - dafür ab hier mit Gegenwind!Entlang der jungen MoldauEin "Budweis" in BudêjoviceAschenbrödelnüsse-LandlebenIm Moment sitze ich ziemlich geschafft in einem Hotelzimmer mit Blick auf die Moldau. Beginnen wir aber von vorne. Nach einem wunderbaen Frühstücksbuffet, der Bäcker lebt im gleichen Haus, gings los. Draussen war es noch recht frisch, so dass wir die Beinlinge montieren mussten. Dies obwohl es unmittelbar nach dem Start bergauf ging, das wussten wir. Um in die Tschechei zu gelangen, musste das Fichtelgebebirge überwunden werden. Der Passübergang bei Schöneben, ein Wintersportgebiet, liegt gerade mal 940 müM. Das ist ja nichts, dachten wir. Aber weit gefehlt, heute ging es nur rauf und runter. Nach dem Eintritt in die Tschechei war die Landschaft wohl genial und einsam - Bauernhöfe wie im Film ¨Drei Nüsse für Aschenbrödel¨- aber die Strassen haben sie hier über die Hügel gelegt. Der Radweg entlang der Moldau verläuft nur an sehr weingen Stellen direkt dem Fluss entlang. Kaum hat man mal das Gewässer neben sich, verlässt man dieses gleich wieder und muss dabei mühsam viele Steilstufen erklimmen. Sie ist halt noch sehr lebhaft, die junge Moldau. So kamen heute insgesamt 140 km und 1959 Hm zusammen (Jok's Jahrgang - wenn das nicht Berechnung war!?). Noch was, ein Budweis-Bier in Budweis zu trinken, das ist wirklich ein Hochgenuss. Und für alle, die uns auf dem Livetracker für längere Zeit nicht mehr mitverfolgen konnten: Nein, wir sind weder geflogen, noch haben wir uns eine längere Erholung gegönnt, es lag ganz einfach an den leeren Batterien. 

Fazit des Tages: Nicht alles was auf der Karte schön eben heisst oder aussieht ist auch wirklich eben.

 

Einsam und naturnah durch FöhrenwälderFliegende VerpflegungEine andere Welt... Kein Durchkommen auf der KarlsbrückeLiebe Lesegemeinschaft, es ist schön zu wissen, dass ihr zuhause unseren Blog verfolgt und wir geben alles, ihn täglich zu füttern (auch wenn mir gestern dabei fast die Augen zugefallen sind). Heute ging es ohne Frühstück um 0715 Uhr los. Zu Beginn lag Nebel über der Moldau, aber schon nach dem ersten Aufstieg kitzelte uns dann aber die Sonne im Gesicht. Das Land entlang der Moldau ist wunderschön. Fast wie bei uns, nur einfach weniger bevölkert. Beidseits der Strassen wachsen wilde Zwetschgen- und Marillenbäume, es ist hier wahrlich ein Schlaraffenland. Nur in Prag, überfüllt von Touristen, wissen sie die Preise anzuheben. Das Bier ist hier 3 mal teurer als auf dem Land, was soll das? So fühlten wir uns dort auch als Exoten unter den Touris und zogen schnell weiter die Moldau hinunter, wo wir nach 145 km und 1450 hm in Rez gelandet sind.

Fazit des Tages: Als Velofahrer bevorzugen wir das Landesinnere, die Städte lassen wir besser ganz schnell hinter uns.    

Neue Verwendung - Ein Detail am StrassenrandFür Veloreisende ohne Abzusteigen und auf Augenhöhe zu pflücken...Zwischen Deutschland und Polen liegt nur die NeisseHeute führte uns die Route weg von der Moldau über die Labe (Elbe) in Richtung Neisse. Die ersten 20 km waren noch stark mit Verkehr belastet, dann aber wurden die Landstrassen erträglicher mit dem Auto- und Lastwagenverkehr. Heute kann ich behaupten, dass mein Körper und Geist zum ersten Mal so richtig im Einklang waren und ich Zeit gefunden habe, den Blick auch auf Nebensächliches zu richten. So fand ich zum Beispiel die Idee nicht schlecht, wie Elektroschrott eine Mauer verschönern kann. Und, Tschechien ist ein Land voller wildwachsender Zwetschebäume, links und rechts entlang der Strasse. Danke liebe kleine blaue Früchtchen, ihr habt uns unsere Gelüste zwischendurch gestillt. Den Grenzübergang zu Deutschland nahmen wir über den Lückendorferpass, die Wasserscheide zwischen Ost- und Nordsee im Zittauer-Gebirge. Es folgte ein wunderbar ausgebauter Oder-Neisse Radweg entlang der Neisse, dem Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen. Unser Ziel war heute Görlitz. Hier fand heute ein Stadtfest zu Ehren des Jacobi statt - schon wieder ein Zufall? Einzigartig dabei war, dass die Festivitäten international waren, wir also nur über die Stadtbrücke zu gehen brauchten und in Polen weiterfeiern konnten - hier einfach in polnisch, mit Zloty und dabei noch einiges günstiger! Ach ja, nochdie Statistik: 153km bei 1250Hm, und die 1000km-Grenze überschritten.

Fazit des Tages: Ob Österreich, Deutschland, Tschechien oder Polen, nicht die Landschaft macht den Unterschied, es ist die Sprache!

Radweg in allerbester QualitätDie "schwierigsten" Hindernisse...Entlang der NeisseAusrückbereite Feuerwehr bei RatzdorfHeute vor einer Woche starteten wir zu unserem Reiseabenteuer und sind nun schon recht weit vorangekommen. Um 0700 Uhr gings heute in Görlitz los. Tja, das frühe Aufstehen gehört auch zu diesen Ferien. Würden wir erst um 0900 Uhr losfahren, kämen wir nie auf die gewüschte Anzahl Kilometer. Also ab auf das Rad und rein in die Pedalen. Der Radweg von Grölitz in Richtung Norden war sagenhaft. Ein perfekt geteerter Radweg führte durch Föhrenwälder, Acker- und Wiesenlandschaften entlang der Neisse. Ein solcher Untergrund macht beim Radeln sehr viel Spass, da stört dann nur der eine oder andere kleine Zapfen am Boden. Kilometer um Kilometer reihten sich so aneinander. Nach ca. 100 km hätte ich eigentlich gerne eine Mittagsrast gemacht. Da war aber weit und breit keine Möglichkeit zur Einkehr. Die wenigen Dörfer hier in Ostdeutschland waren allesamt menschenleer und mögliche Raststätten geschlossen. Erst nach 130 km, um 1500 Uhr, gab es dann eine Portion Spaghetti zwischen die Rippen. Hier an der Deutsch-Polnischen Grenze scheint die Zeit stillgestanden zu sein, so wurde uns gesagt, dass hier die Bürgersteige bereits um 1700 Uhr hochgeklappt werden. Plattenbauten und der eine oder andere Trabi erinnern noch an die ehemalige DDR. Nach gut 180 km und 420 Hm landeten wir in einem kleinen Ort namens Wiesenau (liegt zwischen Eisenhüttenstadt und Frankfurt an der Oder). Auch hier hat sich wieder ein Kreis geschlossen, unsere Unterkunft heisst Bayernstub`n.

Fazit des Tages: Auch wenn im Reisebericht immer alles schön und positiv klingt, ja es gibt auch auf dieser Tour Schattenseiten - kleine, fiese Schmerzstellen um unser Gesäss, im Nacken, an Füssen oder Händen, können die schönsten Augenblicke auch mal versalzen. 

 

Unser Ziel liegt da, wo der Wind herkommt...Biken auf Sand - zu hart, zu schmal, zu schwer...So lässt sich ein Etappenziel geniessen.So, jetzt hat mein Minipad kurz versagt und ich muss den Text bereits zum zweiten Mal reingeben. Was für ein Aerger. Aber das sind die technischen Tücken, die diese Reise auch mit sich bringt. Früher mit Landkarte und ohne Internet war das noch ganz anders. - Genial, wir haben heute Polen erreicht und sind positiv von diesem Land überrascht. Nach ca. 50 Kilometer Fahrt gelangten wir auf den Europaradweg Nr. 1 (wieder eines unserer gesteckten Etappenziele). Der Gegenwind war der ganze Tag mit (resp. gegen) uns, was für ein Kampf. Unsere Laune war ganztags gut, die Polen sind sehr freundliche Leute, sie winken uns zu und grüssen uns. Aber auch der Radweg Nr. 1 hat seine Tücken. Kurz vor Etappenschluss führte er uns auf eine Sandstrasse, mit unseren Velos mit den schmalen Reifen aber nicht fahrbar - also hiess es umkehren. Nach 145 km Fahrt und 850 Hm wurden wir dann aber mit einem tollen Hotel, direkt am See, belohnt. In Italien hätte der Sonnenuntergang nicht schöner sein können. 

Fazit des Tages: Polen ist schöner als man denkt, Velos gibt's wenige und keines von diesen hatte eine Schweizer Velovignette!

 

Ohne Bargeld geht hier nichts"Unsere" Wegweiser finden sich fast überallPicknick auf dem LandeHeute sassen wir um 0630 Uhr beim Frühstück. Es gab Rührei mit Speck und für jeden von uns genau eine Konfitüre - so wie an Vorabend bestellt. Draussen wartete heute ein herrlicher Tag auf uns, Sonnenschein pur und keine Wolken am Himmel. Wenn da nur nicht der konstante Gegenwind gewesen wäre. Aber was soll's, ganz nach dem Motto - es isch wie´s isch - radelten wir Kilomenter um Kilometer entlang dem Radweg R1 im Nordosten Polens. Damit wir uns hier das Leben auch so richtig gönnen können, braucht es zum Reisen etwas Geld. Ich denke, wir werden bei den bevorstehenden Länderwechseln noch öfters einen Bancomaten ansteuern müssen. Kleine Amerkung: Als vorgegebener Höchstbetrag können hier max. 400 Zloty abgehoben werden, umgerechnet ca. 100 CHF. Die Lebensunterhalskosten sind hier allgemein recht tief. Der grösste Teil der Strecke verlief heute durch Waldgebiete, was uns wiederum den Gegenwind etwas vom Hals hielt. Die Beschilderung des Radweges R1 ist genial, auch Bäume müssen hier für die Markierung herhalten. Viele kleine Bauerndörfer haben wir durchquert. Teils arbeiten sie hier noch mit Methoden wie bei uns vor 50 Jahren. Die Leute sind wirklich sehr freundlich. Auch als ich in einem kleinen Dorfladen - ähnlich Tante Emma - über die Theke unser Mittagessen eingekauft habe, wurde ich trotz Sprachschwierigkeiten super freundlich bedient. Für das Mittagessen (2 Bier, Schinken, Käse und Brot) habe ich gerade mal 4 CHF bezahlt. Genossen haben wir diese Herrlichkeiten unter freiem Himmel wie zu ¨Jeremias Gotthelf's Zeiten¨. Nach der Rast ging es in Richtung Pila weiter und von dort, infolge Nichtvorfinden einer Unterkunft, nochmals 30 Kilometer in Richtung Nordosten. Nach 164 km und 600 Hm haben wir um 1900 Uhr unsere Unterkunft endlich bezogen. An der Bar wurden wir sogleich von einem Litauer und einem Russen in Beschlag genommen. Sie wollten mehr über unsere Reise erfahren und haben uns auch gleich erklärt, was wir in Litauen und Russland auf keinen Fall verpassen dürfen (aber wohl mehr aus Sicht von Auto-Fahrenden...).

 

Fazit des Tages: Ein Picknick unter freiem Himmel, so wie heute, sollten wir öfters durchführen.

 

Bagdad, für einmal ganz ruhig ;-)Geschicktes Ausweichen ist angesagt......damit das "neue Leben" nicht zerstört wird!Zweifel kommen auf - doch verfahren?Unseren Tagesablauf haben wir langsam intus. Den Wecker auf 0615 Uhr gestellt, Morgentoilette, in die noch etwas feuchten Velodkleider steigen (diese sind von der Wäsche am Vorabend meist noch nicht ganz trocken bis pflotschnass), Frühstücken, dann alles wieder fein säuberlich an seinen Ort in den Radtaschen verpacken und so schnell wie möglich wieder auf das Rad steigen. Jede verlorene Minute am Morgen sind Kilometer, welche uns am Abend fehlen. Frühmorgens geht's meist ganz flott, die Beine sind noch im Saft und man freut sich auf das, was noch kommen wird. Heute war landschaftlich eher ein langweiliger Tag. Das heisst, wir mussten uns die mit zunehmender Dauer der Etappe immer wichtiger werdenden Ablenkungen selber suchen. Wo findet sich ein geignetes Fotomotiv? Welches Lied soll man vor sich her summen. Oder man berechnet wie oft man für 150 Radkilometer in die Pedalen treten muss - ich kam mit meiner Berechnung auf 30 000. Und doch, Highlights gab es natürlich auch heute. So haben wir nebst Bagdad auch Kosowo durchquert. Wo gibt's denn das? Hier in Polen. Und dazwischen lag nur pure Landwirtschaft, endlose Alleen, geteert zwar, aber versetzt mit unzähligen Schlaglöchern. Fast hätte ich es vergessen, der Wind war auch heute wieder gegen uns. Nach 157 km und 670 hm sind wir um 1830 Uhr in einem 3 Stern Hotel in Grudzladz/Graudenz angekommen.

Fazit des Tages: Schlechte Strassen und Gegenwind können ganz schön von den Schönheiten neben der Strasse ablenken. Ein Wunsch unserer Gesässmuskulatur an die Schlaglöcher: Bitte geht uns morgen etwas aus dem Weg!

 

Tabackblätter zum Trocknen aufgehängt"Freistehendes" HausPolnische Selbst-TränkeOft sind es die einfachen Dinge im Leben, die das Leben ausmachen. So sind wir auch heute wieder vielen Menschen am Wegesrand begegnet, welche ihre Arbeit kurz niedergelegt haben, um uns einen Gruss zuzusenden. Die Leute hier in Polen sind wirklich sehr offen und herzlich. Schade habe ich es verpasst, eine Aufnahme einer alten Frau zu machen, die am Boden sitzend Tabakblätter zusammen gebunden hat. Entlang der Weichsel wird sehr viel Tabak angebaut. Die Strecke am Vormittag war sehr kurzweilig. Am Damm entlang der Weichsel reiht sich ein Grundstück nach dem anderen auf. Dieser Umstand machte uns die Suche nach einem geeigneten Versäuberungsplatz bisweilen zur Geduldsprobe. Wer braucht noch eine Bleibe? Hier gibt es noch das eine oder andere herrenlose Objekt, vermutlich günstig zu erwerben. Oft gehören hier zu einem Bauernhof zwei bis drei Kühe, einige Hühner, Gänse, ein Hund und eine Katze. Die Kühe sind in der Regel auf der Weide an einer Kette angebunden. So entfällt das Einzäunen der Tiere. Was unser Tierschutz dazu wohl sagen würde? Wir sind aber auch glücklicheren Tieren begegnet, welche wie wir an diesem sonnigen Tag nach Woda (Wasser auf polnisch) lechzten. Es sind diese Bilder, die unsere Reise so reisenswert machen. Die Kilometer spielen nur noch nebensächlich eine Rolle, haben wir doch schon einen grossen Teil der Strecke hinter uns gebracht. Tja, für Jok war heute mit 140 km und 380 hm ein Ruhetag.

Fazit des Tages: In der Einfachheit liegt die Einzigartigkeit unseres Lebens.

 

Morgenerwachen in PolenFangruppe am Strassenrand...gilt wohl weniger für die "lebendigeren" Radrouten!Und jetzt geht das Abenteuer in das Unbekannte richtig los. Schon lange war ich gespannt, wie sich die Einreise nach Russland abwickeln wird. Ich habe zuvor viele wilde Geschichten darüber gelesen und vor zwei Tagen hatte ich in einem Traum eine sehr schlechte Vorahnung. Nun der Reihe nach. Wir haben heute nach 659 Kilometer das Land Polen verlassen. Uns wird dieses Land in einer ganz guten Erinnerung bleiben. Frühmorgens im Nebel, mit Tautropfen auf dem Gesicht, erwartete uns ein Polen von der schönsten Seite - von "verstaubt" kann in diesem Land nicht die Rede sein. Sie haben sich Europa sehr gut angepasst. Die ersten 30 Kilometer waren heute wieder sehr ruppelig, da an allen Ecken und Enden von Polen an den Strassen gearbeitet wird. Velofahrer waren auf dem Radweg R1 bislang nur sehr wenige bis gar keine anzutreffen. Trotzdem haben sich einige unverwegene Zeitgenossen an den Wegesrand gestellt und uns stumm zugejubelt. Nach 60 geradelten Kilometern standen wir vor dem Grenzübertritt zu Russland. Eine erste Passkontrolle erolgte durch eine Polin, dann nach weiteren 100 Meter eine Schranke und eine Russin musste unsere Pässe sehen, sie winkte uns durch. War es das schon? Nein, nun kam die eigentliche Kontrolle, nochmals die Pässe zücken und dem Zöllner vorzeigen. Nach ca. 10 Minuten hatten wir unsere Einreisebestätigung und die ersten Stempel in unseren neuen Pässen. Ging ja eigentlich alles viel flotter als befürchtet - wir sind es uns wohl einfach nicht mehr gewohnt, so genau kontrolliert zu werden.
Wie es anhand der reichlich platzierten Wegweiser scheint, herrschen hier in Kalingrad andere Dimensionen. Der Radweg R1 jedoch ist nirgends mehr ausgeschildert. Deshalb ist es ein Segen, das GPS-Gerät dabei zu haben. Eine gut geteerte, jedoch viel befahrende Strasse, führte und geradewegs in die Stadt Kalinigrad. Nach 112 km und 680 Hm checkten wir im Hotel Kalingrad ein. Trotz der Zollformalitäten, des starken Stadtverkehrs in Kalingrad und des "kürzeren" Reisetages (Zeitverschiebung 1 Std.) war's eher ein Schoggitag! 

Fazit des Tages: Nach den ersten Kontakten mit der russischen Bevölkerung sind wir fast ein wenig traurig, Polen bereits verlassen zu haben.

Dünen der Kurischen NehrungenLetzte Pause in RusslandWunderschön angelegte Radwege in LitauenNun sind wir schon zwei Wochen nonstop mit dem Fahrrad unterwegs. Bei mir hat sich heute eine erste Generalmüdigkeit eingeschlichen. Aber vielleicht lag das auch an unserer Unterkunft in Kalingrad. Das Zimmer konnten wir trotz Klimaanlage von 29 Grad lediglich auf 25 Grad herunterschrauben. Einziger Vorteil der Klimaanlage war, unsere Wäsche war am morgen trocken (danke Eli, der Trick mit dem Handtuch ist gut). Und dann hiess es schnellst möglich diese Stadt zu verlassen. Kalingrad mit seinen alten Blockhäusern, dem stinkenden und lärmenden Verkehr und den eher unfreundlich gestimmten Leuten. Nun haben wir heute Litauen erreicht. Wieder ein Etappenziel. Der Reiseweg dorthin führte uns über die Kurische Nehrung, ein von Natur und Menschenhand erbauter 100 km langer Dünenzug. Einen Blick auf das Meer konnten wir nur erhaschen, indem wir unsere Fahrräder kurz abstellten und die Dünen erklommen haben. Eine fantastische Aussicht belohnte uns dort. War es doch ein mutiger Abstieg vom Rad, da uns im Stehen die Mücken beinahe aufgefressen haben. Kurz vor der Grenze zu Litauen gab es noch einen kleinen Rast in einer Waldschenke. Verstanden hat das Personal nur russisch und die Speisekarte war ebefallls nicht übersetzt. Gegessen haben wir einen undefinierten Eier-Calamares-Salat, geschmeckt hat's uns aber trotzdem und auch die anschmiegsamen Katze - Tiere kennen keine Sprachbarrieren. Nach der Wartezeit am Zoll, es dauerte ganze 30 Minunten, standen wir dann wieder auf EU-Boden. Wir fühlten uns fast etwas heimisch. Und von hier an gab es auch wieder einen super schönen Radweg, welcher uns durch Wälder, entlang von Dünen und leichten Anhöhen direkt nach Kleipeda führte. Ach ja, die Fähre rüber in die Stadt gabs für sonst, wir hatten bis dahin noch keinen Bancomaten gefunden und Euro oder andere Währungen nahmen sie bei der Fährkasse nicht entgegen . So liessen sie uns frei passieren. Was für ein Glück. Nach 148 km und 280 Hm erreichten wir unser über Booking.com gebuchtes Hotel - übrigens ein Volltreffer!

Fazit des Tages: Nicht nur Spanien und seine Küsten, auch das Baltische Meer darf sich sehen lassen und bietet seine ganz besonderen Reize.

So lässt sich ein 1. Ruhetag rechtfertigen!Markt in Klaipeda / LitauenIn Litauen heisst's AlusEs hatte heute so sein müssen. Als unser Wecker um 0615 Uhr klingelte, regnete es draussen in Strömen. Schnell waren wir uns einig, dass wir bei diesen Wetterverhältnissen einen Ruhetag einlegen werden. Also schnell in die Hosen steigen und an der Reception mitteilen, dass wir um einen Tag verlängern möchten. Das ging ohne Probleme. Somit konnten wir uns noch zwei weitere Stunden Schlaf gönnen. Das Hotel hier, insbesondere unser Zimmer, ist genial, der Ort Klaipeda sehenswert und unsere Körper waren um eine Pause dankbar. Wir haben den Tag dann auch ausgiebig genutzt, um den drittgrössten Ort Litauens zu erkunden. Das Wetter wurde tagsüber zwar immr besser, aber die Pfützen vom morgenlichen Regen hätten eine genussvolle Weiterfahrt erschwert (das redeten wir uns so ein). Für unser körperliches Wohl haben wir auch gesorgt. Am Markt haben wir uns mit Honig eingedeckt und uns dann später noch mit dem einen oder anderem litauischen Bier gestärkt. Ein 0,5 Liter heimisches Bier kostet 4 Litas (umgerechnet ca. Fr. 1.20) und es schmeckt wirklich herrlich. Wir haben den Tag also ganz normal wie andere Touristen genossen und es beinahe keine Sekunde bereut, diesen ersten Ruhetag eingelegt zu haben.

Fazit des Tages: Ein ganzer Tag Radfahren macht müde, ein ganzer Tag Stadtbummel jedoch auch. Ich bevorzuge die Müdigkeit des Radfahrens.

 

Wozu Velos auch sonst noch herhalten könnenMit der untergehenden Sonne im Rücken dem Tagesziel entgegenViele leere Wohnobjekte am StrassenrandHeute gab es Frühstück auf dem Zimmer. Es wurde auf Wunsch hin am Vorabend auf das Zimmer geliefert, da am Sonntag das Frühstücksbuffet erst um 0800 Uhr beginnt, für uns zu spät. Die Strassen draussen waren vom nächtlichen Regen noch nass, aber das Wetter sah vielversprechend aus. Für heute hatte der Wetterdienst Westwind angesagt. Gespürt haben wir oft einen Nordwestwind und wir bewegten uns am Vormittag hauptsächlich in Richtung Norden, zur Grenze Lettlands. Der Radweg R1 in Litauen ist wirklich ein Traum. Entlang der Meeresküste haben sie durch die Fichtenwälder hindurch einen feinen Teerradweg angelegt, was will man noch mehr. Nach ca. 60 Kilometer erreichten wir die Grenze zu Lettland. Das Zollhaus verwaist, nur das Euroschild Lettland wies uns darauf hin, dass wir wieder mit einer anderen Währung zu bezahlen haben. Hier in Lettland ist der Radweg R1 noch nicht gut erschlossen. Primär führt er die Radler auf Hauptverkehrsachsen an ihr Ziel. Auffallend ist, dass hier in Lettland die Häuser plötzlich nicht mehr so gut unterhalten sind wie in Litauen. Auch der Strassenzustand ist schlechter. Europa ist hier anscheinend noch nicht ganz angekommen. Bisweilen hilft man sich hier für Sondertransporte auch mit Fahrrädern aus. Das Land bietet aber auch seine ganz besonderen Reize. Die Fahrt vom Meer weg in Richtung Kuldiga war dann aber wieder herrlich, Natur pur. Das Wetter zeichnete fantasievolle Wolkenmuster an den Himmel und wären die Störche nicht schon nach Süden geflogen, der Tag wäre vollkommen gewesen. Nach 191 km und 520 Hm sind wir mit Seiten-, Gegen- und Rückenwind an unserem Ziel in Kuldiga angekommen.

Fazit des Tages: Ein Ruhetag verleiht Flügel.

 

Sprichwörtlich: Steine in den Weg gelegtYou'll never bike alone...Beständiges Wetter bei der Einfahrt zum Etappenziel RigaKulidga, mit deutschem Namen Goldingen, wird uns stets in Erinnerung bleiben, weil wir heute zum ersten Mal von Beginn weg mit Regenklamotten montiert losgefahren sind. Unser erklärtes Tagesziel war Riga - das Hotel haben wir schon mal mutig im Voraus reserviert. Aber schon nach den ersten 100 Metern wurden uns heute Steine in den Weg gelegt. Die nächsten 90 Kilometer wurden wir durch den Dauerregen begleitet. Bei diesem Wetter kommt man von der Gegend leider nur wenig mit. Da traut sich ja eh niemand raus, nur in Sabile hat sich das ganze Dorf um uns herum versammelt - was für ein Lichtblick an diesem trüben Tag. Der Radweg R1 ist hier in Lettland gar nicht mehr ausgeschildert, wiederum war nur dank GPS die Route zu finden. Wälder, Seen, Flüsse und einsame Bauernhöfe begleiteten uns den ganzen Tag hindurch. Vor Riga liegt der noch etwas im Dornröschenschlaf liegende Badeort Jurmala. Hier ist der Kontrast zwischen alten und neuen Zeiten ganz gut erkennbar. Viele alte Liegenschaften mit Strandanschluss sind hier zum Kauf angeboten. Viele Häuser gleichen der Villa Kunterbunt von Pipi Langstrumpf. Es erstaunt, dass die Verkaufsschilder der Häuser auch in russisch geschrieben sind. Angeblich gibt es viele Russen hier, die sich ein schönes Grundstück am Meer ergattern. Interessant wäre, was hier in 10 bis 20 Jahren los sein wird. Grösstenteils haben wir heute stark bis weniger stark befahrene Landstrassen bei regnerischem Wetter hinter uns gebracht. Zum Abschluss führte uns der einizige Radweg von heute direkt ins Zentrum von Riga. Nach 160 km und 480 Hm haben wir unser Etappenziel erreicht. Im Hotel Centra in Riga haben wir eine geniale Unterkunft gefunden - sehr empfehlenswert auch für eine Bleibe während eines Städteaufenthaltes.

Fazit des Tages: Goretex ist eine gute Sache, nass wird man aber trotzdem - einfach von innen!

 

BlickwechselEs hat für alle Platz...Nach dem "Highway" auf die LandstrasseHeute hiess es wieder einmal Ausschlafen, wenn auch nur eine halbe Stunde länger. Morgenessen gab es erst um 0730 Uhr. Einer der Vorteile solcher Radferien ist, wir sind morgens in der Regel die Ersten am Frühstücksbuffet und heute war das Buffet wirklich vom Feinsten. Später Frühstücken heisst aber auch später losfahren und bedeutet entweder weniger Kilometerleistung oder länger in den Abend hineinfahren. Die Fahrt aus der Stadt Riga war eine mühsame Sache. Für die 10 Kilometer benötigten wir eine wertvolle Stunde. Zum Glück war heute wieder Sonne angesagt. Und wenn man den Kopf einmal vom Asphalt zum Himmel hob, da zeichneten sich wunderbare Lichtblicke ab. Die ersten 70 Kilometer führten uns entlang einer vierspurigen Hauptverbindung in Richung Lettland - ein wahrer Kampf gegen Titanen. Zum Glück war der Radstreifen - ja, es gab einen - genügend breit. Die zweite Tageshälfte führte uns auf ruhigeren Strassen weiter. Natur soweit das Auge reicht. Hier im nordöstlichen Teil von Lettland regierten früher die Ritterorden, so ist das Land auch mit etlichen Burgen übersäht. Es gäbe hier sicherlich noch viel zu besichtigen. Leider fehlt uns hierfür aber die Zeit. Unser Ziel heisst St. Petersburg, und nach über 2500 Kilometern auf dem Rad sind wir unserem Ziel ja schon ziemlich nah. Da die Unterkünfte hier immer spärlicher werden, müssen wir die Tagesetappen vermehrt im voraus planen. So sind wir heute bereits nach 123 km und 620 Hm an unserem Etappenziel in Walmiera angekommen.

Fazit des Tages: Im Gegensatz zum Wirbelwind der vorbeifahrenden Lastenzüge ist der Gegenwind berechenbar.

 

Die Sonne kämpft sich durch den MorgennebelEin Detail am StrassenrandPerfekte Radwege trotz leerer StrassenAus der Sicht des RadelndenIch nehme es gleich vorweg, heute war nicht mein bester Tag! Schon frühmorgens bin ich mit ziemlich schweren Beinen aufgestanden - aber wir waren dennoch die Ersten beim Frühstücksbuffet. Der Herbst hat auch im Baltikum Einzug gehalten. So waren wir die ersten 20 Kilometer in dichtem Nebel unterwegs. Um uns vor dem Verkehr zu schützen, nutzten wir nebst unseren Leuchtwesten auch die Front- und Rücklichter. Leider habe ich vergessen den Akku meines Rückstrahlers aufzuladen. Auch dies würde eigentlich zur Reisevorbereitung gehören. Die letzten Kilometer durch Lettland waren märchenhaft, zumal die Kraft der Sonne den Nebel verdrängte und in den moosigen Föhren- und Birkenwald wunderbare Lichtspiele zauberte. Vor dem Übertritt nach Estland verputzten wir unser letztes lettisches Geld, für Jok gab es ein frisches T-Shirt und für mich ein Paar Sandalen. Mit Estland haben wir nun nach Polen, Russland, Littauen und Lettland das fünfte uns unbekannte Land betreten, resp. befahren. Gleich nach dem Grenzübertitt haben uns die vielen Radwegweiser positiv überrascht. In Lettland waren diese nie zu finden. Auch die Radwege sind hier vielerorts sehr grosszügig angelegt. Die Fahrt in Richtung Tartu, unserem Etappenziel, war (wie Jok es sagt) "eifach no schöö". Viel Natur, beinahe kein Verkehr, gepflegte Häuser im skandinavischen Stil, Wälder, Seen und die Strassen schön in die Wellenlanschaft eingebettet. Wie schon oft in diesen Ferien, bei schönem Wetter herrscht auch Gegenwind, und dieser war heute leider unser stetiger Begleiter. Zum Gück durfte ich in Jok's Windschatten fahren. Ich stelle mir vor, dass Estland und Finnland sich sehr ähnlich sind - ein einziges, einsames Naturparadies. Nach 141 km und 625 Hm haben wir Tartu, eine der grösseren Städte in Estland, erreicht. Morgen soll es hoch an den finnischen Meeresbusen gehen.

Fazit des Tages: Zu zweit geht manches einfacher - dies war heute vor allem für mich der Fall.

 

Irgendwie sehe ich noch nicht scharf...?!...und auch die Winkel scheinen nicht ganz "recht"!Aus dem gestrigen Bericht konnte man es sicherlich entnehmen, die Reise hat mich schon etwas Kraft gekostet. Mit ein Grund, dass mir Jok heute einen Ruhetag "empfohlen" hat - was für ein Geschenk! So blieb mir genügend Zeit, meine Beine zu entspannen und meinen Geburi zu geniessen. Mit einem ausgiebigen Frühstück starteten wir in den Tag. Dann ging die Suche nach Lithium-Batterien los. Es ist kaum zu glauben, diese Batterien scheinen hier in der zweitgrössten Stadt von Estland (Universitätssitz) nicht zu existieren. Hier in der Stadt wimmelt es nur so von Studenten. Die soeben stattfindende und für jeden zugängliche Austellung junger unbekannter Künstler ist eine originelle Sache. Alle Kunstschaffenden haben einen blauen Schiffscontainer zur Verfügung, welchen sie nach ihrem Gusto bestücken können. Die Ideen waren sehr vielfältig. So oder so, Tartu ist eine ideenreiche Stadt. Hier findet man seltene Verkehrsschilder, schräge Häuser und jede Menge kurlige Bars und Pubs. Wir haben also ein Stück junge estnische Kultur kennenlernen dürfen, der finnische Meeresbusen muss einen Tag länger warten. Danke euch allen für die vielen Glückwünsche und einen Dank an Jok für den tollen Tag in Tartu.

Fazit des Tages: Der zweite Ruhetag hat wieder Wunder gewirkt und ich fühle mich fit für den Rest der Reise.

 

Unsere treusten BegleiterEnde der asphaltieren Strasse - was nun wohl folgt?Verkaufsstände mit geräuchten Fischen aus dem Peipsi-SeeUm 0715 Uhr ging es los. Bein- und Aermlinge waren montiert. Trotz stahlblauem Himmel war der Morgen doch recht frisch. Die Fahrt hinaus aus der Stadt begann in einer schönen Morgenstimmung. Wenn auch nicht viele Leute unterwegs waren, unsere zwei treuen Begleiter sind fast mmer mit uns. Mal sind sie links, mal vorne, seltener rechts, aber fast nie hinten. Sie sind morgens und abends jeweils riesig und schrumfen um die Mittagszeit. Zeitweilen sind sie so richtige Kumpel, man kann ihnen zuwinken, mit ihnen reden oder verstecken spielen. Der Radweg 1 führte uns bald einmal weg von der Hauptstrasse. Das ist eigentlich auch gut so, wenn da nur nicht plötzlich wieder diese groben Schotterstrassen wären - sie haben hier eigens Warntafeln für abrupte Strassenzustandwechsell angebracht. Genung von den Holperstrecken kehrten wir wieder zur Hauptstrasse zurück und man staune, mit dem Verkehr hat es sich in Grenzen gehalten. Die Fahrt entlang dem Peipsisee war herrlich. Am Strassenrand räuchern sie hier frischen Fisch und bieten diesen zum Kauf an. Habe natürlich ein kleines Exemplar probiert. Gar nicht schlecht, wenn da nicht die vielen fiesen Gräte wären. Die Fahrt führte uns auch heute wieder durch sagenhaft schöne Wälder mit kleinen Hütten und Seen und schliesslich an den finnischen Meeresbusen. Bei Sillamäe schlängelte sich der Radweg direkt dem Meer entlang, einfach genial. Bis wir unser heutiges Hotel beziehen konnten, navigierte uns das GPS noch ca. 17 Kilometer über eine landschaftlich schöne, aber wohl eher für Mountainbikes geeignete Strecke. Nach 181 km und 640 Hm haben wir dann doch noch unser kleines Hotel am See erreicht.

Fazit des Tages: Estlands Fläche ist zu 50% mit Wald bedeckt, ist sehr dünn besiedelt und die Strassen sind grössenteils wenig befahren. Für Velofahrer und Naturliebhaber gleichermassen ein fantastisches Tummelfeld.

 

Ungewohnte aber eindrückliche Einreise nach RusslandDirektverkauf - am "Puls des Lebens"St. Petersburg - Unser Ziel ist erreicht!Gestern haben wir beide noch über eine Stunde im Internet gesurft und nach einer Unterkunft zwischen Estland und St. Petersburg gesucht - ohne Erfolg. Das wird schon werden, haben wir uns gedacht. Schliesslich ist ja nicht jede Unterkunft ist im Netz verzeichnet. Mit dem Frühstück um eine halbe Stunde früher hinausgemarktet (0730 Uhr) starten wir erst um 0815 Uhr auf unsere heutige Etappe. Etwas spät, stand doch der Grenzübergang zu Russland vor uns erneut einer Stunde Zeitverschiebung zu unseren Ungunsten. Die Grenze bei Narva hatten wir bald einmal erreicht. Der Grenzübertritt gestaltete sich hier etwas anders als zuvor in in Kalingrad. Gemeinsam mit dem Fussvolk wurden wir duch die Grenzformalitäten geschleust. Zum Glück war da unser russische Fahrradkollege, welcher uns auf das richtige Verhalten hinwies. So ging's ganz flott und nach dem Ausfüllen der geforderten Formulare standen wir schon wieder auf russischem Boden. Wir entschieden uns der Hauptverkehrsachse E20, welche direkt nach St. Petesburg führt, entlang zu fahren. Ein wahrlich guter Entscheid. Klar hatte es den einen oder andern Laster unterwegs, aber das Ziel vor Augen störten sie uns gar nicht mehr sehr gross. Die Ablkenkung auf der Strecke war vielfältig, denn beinahe jeder Gartenbesitzer stellt hier seine Erträge am Strassenrand zum Verkauf feil. Die Leute winkten und hupten uns zu. Was für eine Freude. Die Kilometer rasten nur so dahin - auch bei Wind, der zwar nicht mit, aber auch nicht konsequent gegen uns war. Mir war bald schon klar, dass wir heute St. Petersburg erreichen werden. Wo sonst sollten wir denn übernachten? Und als wir dann das Schild St. Petersburg erreichten, war ich den Tränen nahe. Was für eine Freude. Nochmals 25 Kilometer bis in die Stadtmitte und dann über www.booking.com eine geeignete Unterkunft suchen. Nach einem Fehlschlag, das zuerst gebuchte (und bestätigte!) Hotel war wegen Umbau geschlossen, fanden wir nach 172 km und 460 Hm um 2015 Uhr unsere definitive Bleibe, das Petro Palace Hotel. Wir sind einfach nur glücklich und zufrieden...!

Fazit des Tages: Gleich was war und was noch sein wird, es zählt nur das hier und jetzt - und das ist einfach nur fantastisch!

 

Unter "normalen Touris" in St. PetersburgDie Blutkirche - ein Andenken an Kaiser Alexander den IIBabuschkas, soweit die Rubel reichen...Nach 22 Ferientagen, davon 20 Tagen auf dem Fahrrad, haben wir nach gut 3000 Kilometern unser erklärtes Ziel St. Petersburg erreicht. Hinter uns liegen 11 Grenzübertritte, dabei haben wir 9 verschiedene Länder bereist, 5 davon zum ersten Mal. Wir haben uns mit 7 verschiedenen Währungen über Wasser gehalten und in 6 Ländern die Sprache nicht ansatzmässig verstanden. Der Wettergott war mit uns. Während der 20 Tagen auf dem Rad hat es nur 2 Tage geregnet. Mit dem Wind hatten wir an 18 Tagen mehr oder weniger zu kämpfen (Nordostwind), lediglich an 2 (Regen-)Tagen unterstütze uns der Westwind. Die Fahrräder haben alle Schläge, Scherben und andere Strapazen schadlos überstanden - was für ein Glück. Unsere Blessuren haben sich nach und nach gelegt und sind bis zum Ende der Reise ganz verschwunden. Was will man noch mehr? Heute konnten wir die wunderschöne Stadt St. Petersburg geniessen. Ein Besuch der Haseninsel, die Besichtigng der Blutskirche und den vielen Souvenirshops mit ihren Babuschkas, waren nur einige der Highlights. Die Stadt ist fantastisch, nur: Die Fahrten über Land werden mir vermutlich nachhaltiger in Erinnerung bleiben.

Fazit des Tages: Was zählt ist nicht nur die Vergangenheit, sie lernt uns jedoch die Gegenwart zu geniessen und den Blick auf das nächste Ziel zu fokussieren.